YES!CON 6.0 – Ein Ort, der trägt

„So viele Menschen. So viele Geschichten. Und so viel Licht…“
Das rosa Hasentier steht neben mir am Geländer der oberen Etage des Gasometers Schöneberg und schaut schweigend nach unten. Keine seiner üblichen Fragen. Kein Hüpfen. Nur dieser Moment. Und ich verstehe ihn gut. Denn auch ich bin überwältigt – wie jedes Jahr aufs Neue.

Die YES!CON 6.0 ist kein gewöhnlicher Kongress. Sie ist Herz, Haltung und Hoffnung in einem.
Ein Ort, an dem über Krebs gesprochen wird – laut, ehrlich und mutig. Ein Raum, in dem die Diagnose nicht das letzte Wort hat. Sondern Menschen.

Und wir? Wir von der Roten Hose Darmkrebsvorsorge e.V. waren mittendrin.


Nicht zu übersehen – und das ist gut so.

Unser Stand war rot. Klar. Auffällig. Wie immer.
Doch was uns wirklich sichtbar macht, ist nicht nur die Farbe. Es ist unsere Botschaft.
Vorsorge kann Leben retten. Und darüber muss man reden.

Viele der anderen Stände kamen aus der Selbsthilfe oder der medizinischen Versorgung. Wir aber sprechen über die Zeit davor. Bevor es zu spät ist. Und das ist oft der schwierigste Teil. Denn Vorsorge ist unbequem. Manchmal auch beängstigend. Und doch so notwendig.

Es war ein Geschenk, dass unser Platz auf der Galerie uns so sichtbar gemacht hat – für Besucher:innen, für andere Organisationen, für Interessierte, die genau dort stehen blieben, wo wir waren.


YES!CON – das bedeutet: Gespräche, die bleiben 🤝

Wir haben viele Gespräche geführt. Wirklich viele. Und jedes einzelne war besonders.
Es ging um Darmkrebs. Um Angst. Um Hoffnung. Um Kinder. Um Eltern. Um Leben.
Es ging um Erfahrungen, um Ratlosigkeit, um Mut.

Besonders bewegt haben uns die Begegnungen mit anderen Vereinen und Projekten, die mit so viel Herz arbeiten:

  • Suumpfperlen e.V. zum Beispiel. Eine Organisation, die Menschen nach einer Krebsdiagnose begleitet – mit liebevoll gepackten Wegbegleitertaschen, mit der Symbolfigur Jebo, die farblich dem jeweiligen Krebs angepasst ist. Was für eine starke, tröstende Idee.
  • Oder die Familienhörbuch gGmbH, bei der schwerkranke Eltern ihre Lebensgeschichte für ihre Kinder einsprechen können. Was bleibt, wenn Worte fehlen? Hier wird Erinnerung hörbar gemacht. 🎤💛

Ich durfte ganz spontan ein Interview mit ihnen führen und von meinem Kinderbuch „Mutig gegen Darmkrebs“ erzählen – ein Buch, das Brücken baut. Zwischen Kind und Elternteil, zwischen Fragen und Antworten, zwischen Schweigen und Begreifen. Das Feedback war überwältigend. Es tut gut zu wissen, dass genau solche Geschichten helfen können, wo Sprache oft versagt.


Ein stiller Wunsch, ein leises Bedauern

Es gab aber auch einen Moment, der sich erst im Nachhinein meldete.
Ich habe schon vor Jahren die Geschichte von Christine Raabe auf YouTube verfolgt. Ihre Offenheit, ihre Worte, ihre ehrliche Art, mit der sie über das Leben mit metastasierendem Brustkrebs spricht – all das hat mich sehr berührt.
Ich hätte ihr so gern persönlich gesagt, wie sehr ich ihre Arbeit schätze. Dass sie Mut macht – auch ohne, dass wir uns je begegnet sind. Leider habe ich erst nach der YES!CON erfahren, dass sie vor Ort war.

Liebe Christine, falls du das liest: Ich hätte dich so gern getroffen. Danke, dass du teilst, was andere nicht einmal aussprechen können. Deine Stimme macht einen Unterschied. 💗


Ein DANKE, das von Herzen kommt 💐

Und dann ist da noch jemand, dem ich an dieser Stelle unbedingt Danke sagen möchte:
André Schlegel vom YES!CON-Team.
André ziert das Titelbild dieses Blogbeitrags – gemeinsam mit meinem Mann Chrille und mir.

Lieber André, danke für deine Empathie. Für dein Willkommen, für die kleinen Gesten zwischendurch, für deine Zeit.


Ein Miteinander aus Licht und Kraft 🌟

Was an der YES!CON so besonders ist: Es ist keine Trauermesse. Und auch kein reines Fachsymposium.
Es ist eine Bewegung. Eine Plattform. Ein Netzwerk.
Hier treffen sich Betroffene, Angehörige, Unterstützer:innen, Prominente, Organisationen – alle auf Augenhöhe.

Ob Patrice Aminati, die offen über ihre Hautkrebsdiagnose spricht,
Patricia Kelly, Mirja du Mont, Pauline Petszokat, Dr. Rita Süssmuth, Elena Semecin, die den Ring of Courage gewann – sie alle geben der Krankheit ein Gesicht. Aber noch viel mehr geben sie ihr einen Widerstand. Eine Würde. Und eine Stimme.

Shine a Light – Preise für Lichtmenschen 🌟

Wie in jedem Jahr wurden auf der YES!CON Projekte und Menschen ausgezeichnet, die Licht bringen – in dunkle Zeiten, in einsame Lebenslagen, in schwierige Diagnosen.

Die diesjährigen Gewinner:innen des Shine a Light Awards:
🏆 Jung und Krebs e.V.
🏆 Leben nach Krebs! e.V.
🏆 FSH Netzwerk Leben mit Metastasen – Publikumspreis

Ich ziehe meinen Hut vor euch. Und mein Herz verneigt sich. 💛

Wenn Worte tragen

„Dori…“, flüstert es mir beim Verlassen des Gasometers zu, „…meinst du, da bleibt ein Stück von all dem hier in uns drin?“
Ich nehme es an die Hand – eine dieser langen, weichen, verrückten Hasentierhände – und antworte:
„Ich hoffe es. Vielleicht sogar mehr als ein Stück.“

ToRe, unser Freund mit der roten Hose und der Spiralzeichnung auf dem Bauch, schaut uns an.
„Weißt du“, sagt er leise, „es ist gut, dass wir nicht im Mittelpunkt stehen. Sondern die, für die wir das alles machen.“
Und ich nicke.
Genau das ist es.

Wir waren da, um zuzuhören. Zu lernen. Zu teilen.
Aber vor allem, um denen Raum zu geben, die diese Bühne brauchen.

Das Nebeneinander von Tragik und Tatkraft. Von Tränen und Taten.
Von Schicksalen – und dem Willen, das Leben dennoch zu feiern.


Unser roter Beitrag

Wir haben reichlich Material verteilt:
Sattelschoner, Kugelschreiber, Klebenotizen, Kameraschutz fürs Laptop, unsere beliebten Beutel mit der Vorsorgebotschaft, Postkarten mit klarer Kante – und natürlich Broschüren mit Wissen und Herz.
Und ja: Wir haben Lob bekommen. Viel sogar. Für unser Auftreten, unsere Offenheit, unser Material – und vor allem für unsere Haltung.

Denn auch das gehört gesagt:
Vorsorge ist unbequem. Aber notwendig.
Vorsorge rettet Leben. Punkt.

Und genau dafür sind wir da.


Was bleibt?

Zwei Tage YES!CON.
Zwei Tage voller Eindrücke, Gespräche, Begegnungen, Ideen.
Zwei Tage, die uns einmal mehr gezeigt haben, warum wir das alles machen.

Zwei Tage, die mich daran erinnern, warum ich schreibe. Warum ich male. Warum ich Figuren wie das rosa Hasentier oder ToRe zum Leben erwecke.

🐰 „Manchmal erzählen Geschichten das, was unser Mund nicht sagen kann. Und manchmal verstehen Herzen schneller als Ohren.“

Weil Geschichten helfen.
Weil Bilder Brücken bauen.
Weil Fragen manchmal durch Fantasie beantwortet werden können.

Und weil jeder, der die sich traut, über Krebs zu sprechen – laut oder leise – Teil dieser Veränderung ist.

Danke an alle, die mit uns gesprochen, zugehört, gelacht, geweint, gedacht und gehandelt haben.
Danke an die YES!CON für dieses unglaublich wichtige Event.
Danke an alle Betroffenen, die ihre Geschichte geteilt haben – ihr seid das Herz dieser Bewegung.

Und das Hasentier sagt zum Schluss:
„Ich glaub, ich hab ein bisschen YES! im Herzen…“
Und ToRe nickt nur:
„Ich auch.“

Und ich?
Ich auch.

– deine Dori

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